20.09.2026

Genius Mozart | 15:00 Uhr

© Bettina Straub

Frank-Immo Zichner spielt vier Mozart Sonaten.

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Konzerteinführung:

Mozarts Klaviersonaten KV 310, 330, 332 und 333
Wenn wir heute vier Klaviersonaten von Wolfgang Amadeus Mozart hören, begegnen wir nicht nur „schönen klassischen Werken“, sondern einem erstaunlich breiten emotionalen Spektrum. Zwischen der düsteren a-Moll-Sonate KV 310 und den heiteren, opernhaft leuchtenden Sonaten KV 330, 332 und 333 entfaltet sich ein Panorama von Mozarts Wiener Klavierstil: elegant, gesanglich, virtuos – und zugleich tief menschlich.
Mozarts Klaviersonaten entstanden ursprünglich nicht für den großen Konzertsaal, sondern für den privaten Salon und den musikalischen Hausgebrauch. Gerade deshalb wirken sie oft so unmittelbar: Sie sprechen nicht monumental, sondern persönlich. Dennoch steckt in ihnen bereits jene dramatische Kraft, die später Beethoven weiterführen sollte. 

Sonate a-Moll KV 310 – Leidenschaft und Erschütterung
Die Sonate KV 310 nimmt unter Mozarts Klaviersonaten eine Sonderstellung ein. Sie entstand 1778 während Mozarts Aufenthalt in Paris – einer Zeit großer persönlicher Krise. Während dieser Reise starb seine Mutter Anna Maria Mozart; zugleich scheiterten viele seiner beruflichen Hoffnungen. Viele Hörer empfinden die Sonate deshalb als eines der persönlichsten und dramatischsten Werke Mozarts. Schon der erste Satz beginnt ungewöhnlich scharf und unruhig: keine höfische Eleganz, sondern nervöse Energie, harte Akzente und ein fast tragischer Tonfall. a-Moll ist bei Mozart oft die Tonart existenzieller Erregung – man denke später an die große c-Moll-Klaviersonate KV 457 oder an Szenen im „Don Giovanni“.
Der langsame Satz wirkt zunächst tröstlich, doch immer wieder brechen schmerzvolle Dissonanzen hervor. Im Finale schließlich treibt Mozart die Musik in ein atemloses Presto. Die Virtuosität dient hier nicht dem Glanz, sondern der inneren Spannung.
KV 310 zeigt einen Mozart, der weit über das Bild des „lieblichen Klassikers“ hinausgeht: verletzlich, dramatisch und von beinahe romantischer Ausdruckskraft.

Sonate C-Dur KV 330 – Gesang ohne Schwere
Ganz anders die C-Dur-Sonate KV 330: Sie gehört zu den beliebtesten Werken Mozarts und wirkt wie ein Gegenbild zur düsteren a-Moll-Sonate. Vermutlich entstand sie 1783 in Wien oder Salzburg und wurde zusammen mit KV 331 und 332 veröffentlicht. Der erste Satz lebt von kantabler Leichtigkeit. Fast alles scheint zu singen. Mozart behandelt das Klavier hier wie eine Opernbühne: Fragen, Antworten, kleine Dialoge und überraschende Wendungen entstehen mit scheinbarer Mühelosigkeit.
Besonders berührend ist das Andante cantabile – Musik von großer Innigkeit, aber ohne Pathos. Nichts wird übertrieben; gerade die Einfachheit macht die Wirkung aus.
Das Finale schließlich verbindet Eleganz mit Witz. Hinter der heiteren Oberfläche verlangt diese Musik höchste Präzision: Jede Artikulation, jede Phrase, jede kleine Verzögerung wird hörbar. Gerade Mozart „verzeiht“ dem Pianisten nichts – die Transparenz der Musik macht jede Nuance bedeutend.

Sonate F-Dur KV 332 – Oper, Drama und Virtuosität
Die F-Dur-Sonate KV 332 gehört zu Mozarts reifsten Klavierwerken. Auch sie entstand um 1783 und verbindet Eleganz mit einer neuen dramatischen Weite. Der erste Satz überrascht durch seine Vielfalt: fast opernhafte Gesten wechseln mit empfindsamen Momenten und virtuosen Passagen. Mozart scheint hier ständig zwischen Bühne und Kammermusik zu wechseln.
Im langsamen Satz öffnet sich eine besonders intime Klangwelt. Die Musik wirkt wie eine große Opernarie ohne Worte – gesanglich, empfindsam und voller feiner harmonischer Schattierungen.
Das Finale ist schließlich pure Spielfreude: brillant, humorvoll und voller Energie. Manche Passagen erinnern bereits an ein Klavierkonzert; der Pianist wird zum Solisten eines imaginären Orchesters. Gerade deshalb zählt KV 332 bis heute zu den wirkungsvollsten Mozart-Sonaten im Konzertsaal. 

Sonate B-Dur KV 333 – Die große klassische Balance
Mit der B-Dur-Sonate KV 333 erreicht Mozart eine beeindruckende Balance aus Formvollendung, Virtuosität und Wärme. Das Werk entstand vermutlich 1783 in Linz oder Wien. Schon der erste Satz entfaltet einen weiten musikalischen Raum: elegant, großzügig und fast symphonisch gedacht. Die Themen wirken nicht bloß dekorativ, sondern entwickeln sich in langen musikalischen Bögen.
Der langsame Satz gehört zu den poetischsten Eingebungen Mozarts. Hier scheint die Zeit stillzustehen; die Musik atmet Ruhe und Innigkeit.
Im Finale schließlich zeigt Mozart seine brillante Seite. Das Rondo besitzt beinahe konzertanten Charakter – manche Pianisten empfinden es tatsächlich wie einen kleinen Klavierkonzertsatz. KV 333 verbindet damit vieles, was Mozarts Wiener Stil ausmacht: technische Brillanz, melodischen Reichtum und eine scheinbar natürliche Vollkommenheit.


Diese vier Sonaten zeigen Mozart auf dem Weg vom jungen reisenden Virtuosen zum reifen Wiener Meister. Sie reichen von persönlicher Tragik bis zu heiterer Gelöstheit, von intimer Kammermusik bis zu beinahe orchestraler Klangfülle.
Und vielleicht liegt genau darin das Besondere dieser Musik: Mozart spricht nie nur „über“ Gefühle – er lässt sie unmittelbar entstehen. Selbst in den brillantesten Momenten bleibt seine Musik menschlich, atmend und verletzlich. Gerade deshalb wirken diese Sonaten auch heute noch erstaunlich nah.

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