
Klavierquartette von Mozart und Dvořák.
Programm
Mozart | Klavierquartett Es-Dur KV 493
Dvořák | Klavierquartett D-Dur op.23
Pause
Dvořák | Klavierquartett Es-Dur op.87
Wolfgang Amadeus Mozart
Klavierquartett Es-Dur KV 493 (1786)
Als Mozart 1785 und 1786 seine beiden Klavierquartette komponierte, betrat er musikalisches Neuland. Zwar war Kammermusik mit Klavier nichts Ungewöhnliches, doch meist hatte das Tasteninstrument eine klar dominierende Rolle, während die Streicher begleiteten. Mozart hingegen verstand das Klavierquartett als echten Dialog auf Augenhöhe zwischen Klavier, Violine, Viola und Violoncello.
Das Klavierquartett Es-Dur KV 493 entstand in Wien und zeigt Mozart auf dem Höhepunkt seiner kammermusikalischen Reife. Schon im ersten Satz fällt die feinsinnige motivische Arbeit auf: Themen werden zwischen den Instrumenten weitergereicht, kommentiert und verwandelt. Der langsame zweite Satz in As-Dur entfaltet eine intime, beinahe opernhafte Kantabilität, während das Finale mit spielerischer Eleganz und subtiler Virtuosität überzeugt.
Zeitgenössisch galten diese Werke als „zu schwierig“ und zu anspruchsvoll für den Markt – heute zählen sie zu den Grundpfeilern der Klavierkammermusik und zeigen Mozart als Meister des musikalischen Gleichgewichts.
Antonín Dvořák
Klavierquartett D-Dur op. 23 (1875)
Fast ein Jahrhundert später knüpft Antonín Dvořák an die Gattung des Klavierquartetts an, jedoch aus einer ganz anderen ästhetischen Welt heraus. Das Klavierquartett D-Dur op. 23 entstand in einer frühen, aber entscheidenden Phase seines Schaffens, in der Dvořák begann, eine eigene musikalische Sprache zu entwickeln.
Das Werk steht noch deutlich unter dem Einfluss der deutschen Romantik – insbesondere Brahms –, doch bereits hier zeigt sich Dvořáks unverwechselbarer Tonfall: gesangliche Melodien, rhythmische Vitalität und ein feines Gespür für Klangfarben. Besonders auffällig ist die warme, oft orchestrale Behandlung der Streicher sowie der Wechsel zwischen lyrischer Innigkeit und tänzerischer Energie.
Das Scherzo trägt bereits Züge jener slawisch inspirierten Rhythmik, die später zu Dvořáks Markenzeichen werden sollte, während das Finale mit schwungvoller Bewegung und optimistischem Charakter den jugendlichen Elan des Komponisten widerspiegelt.
Antonín Dvořák
Klavierquartett Es-Dur op. 87 (1889)
Mit dem Klavierquartett Es-Dur op. 87 begegnen wir einem gereiften Dvořák auf dem Höhepunkt seines Könnens. Das Werk entstand in einer Zeit großer internationaler Anerkennung und vereint formale Meisterschaft mit emotionaler Tiefe.
Bereits der erste Satz beeindruckt durch seine Weite und seinen symphonischen Atem. Dvořák nutzt die Möglichkeiten des Klavierquartetts voll aus: Das Klavier ist nicht bloß Begleiter, sondern integraler Bestandteil eines dicht verwobenen musikalischen Gefüges. Der langsame Satz zählt zu den eindrucksvollsten Schöpfungen Dvořáks in der Kammermusik – von nachdenklicher Ruhe, dunkler Klangfarbe und stiller Intensität geprägt.
Das Scherzo greift erneut volkstümliche Elemente auf, diesmal jedoch subtiler und raffinierter integriert. Im Finale verbindet Dvořák rhythmische Energie mit kontrapunktischer Kunst und führt das Werk zu einem kraftvollen, zugleich eleganten Abschluss.
Schlussgedanke
Dieses Programm spannt einen Bogen von Mozarts klassischer Balance und Transparenz über Dvořáks frühe romantische Suche bis hin zu seiner reifen, unverkennbar persönlichen Tonsprache. Es zeigt eindrucksvoll, wie sich das Klavierquartett als Gattung über ein Jahrhundert hinweg weiterentwickelt hat – vom höfisch-eleganten Gespräch bis zur farbenreichen, nahezu symphonischen Kammermusik.
Das Aperto Piano Quartett wurde im Jahr 2000 vom Pianisten Frank-Immo Zichner gegründet. Seine Leidenschaft für die Kammermusik hat ihn neben seiner solistischen Karriere immer wieder mit bedeutenden Kammermusikern zusammengeführt und ihn in seinem Wunsch, ein eigenes Ensemble zu gründen, bestärkt. In den Jahren seines Bestehens ist das Aperto Piano Quartett zu einem Ensemble gereift, das sich durch „kultivierte Klanglichkeit und sensibles Zusammenspiel“ (Joachim Wormsbächer, FAZ) auszeichnet.
Zum Repertoire des Aperto Piano Quartetts gehören heute nicht nur die großen klassischen und romantischen Klavierquartette. Werke vergessener Komponisten, wie die Kammermusik von Hans Gál oder Konstanty Regamey, wurden vom APQ aufgeführt und produziert. Das Ensemble hat sich immer wieder für die Erweiterung des Klavierquartett-Repertoires eingesetzt. Dem APQ gewidmete Klavierquartette wurde u.a. von Elena Mendoza, Krzysztof Meyer und Christian Jost komponiert.
Zahlreiche CDs dokumentieren das musikalische Schaffen des Ensembles. Einige von ihnen wurden für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert.
Das Aperto Piano Quartett spielte in verschiedenen europäischen Ländern und bei internationalen Festivals, wie dem Schleswig-Holstein Musik Festival.
Seit 2025 spielt das Aperto Piano Quartett in der Besetzung mit Frank Reinecke, Violine, Stefan Fehlandt, Viola und Stephan Forck, Violoncello und Frank-Immo Zichner, Klavier.